Fr
26
Jun
2009
Glaubst du an Feen und Elfen?
Kobolde und Einhörner?
Vielleicht ja, vielleicht nein.
Aber an Drachen brauchst du nicht zu glauben, denn die gibt es wirklich,...
zumindest Bert.
Es ist jetzt auf den Tag genau 246 Jahre her, da wurden Bäume gefällt, in einem großen Regenwald. Das Teakholz kam von dort noch mit einem großen Schiff nach Europa, um genau zu sein, nach Deutschland.
Ein Schreiner dessen Name vergessen ist, arbeitete aus einem der Bäume einen wunderschönen Schrank.
Wem dieser gehörte, ist auch vergessen, nicht aber, dass meine Oma ihn geschenkt bekam und er jetzt bei mir zu Hause steht.
Mein Name ist Stefan. Ich arbeite in einem Labor für Gesteinsforschung in Berlin.
Ich bin Mitte Zwanzig, sehe natürlich extrem gut aus und,... oh Verzeihung.
Es geht ja eigentlich gar nicht um mich.
Ich fand in meinem wunderschönen braunen Teakholzschrank einen kleinen Tropfen alten Harz.
Er war schon sehr alt, sehr sehr alt.
Ich fand ihn, als ich eine der großen Schubladen öffnete. Der Schreiner hatte wohl wie ich diesen versteinerten Tropfen als zu schön empfunden, um ihn zu entfernen. Stattdessen hatte er ihn da gelassen wo er war.
Mir fiel er nur auf, als ich meine ganzen Papiere ausmisten wollte und mit meinem Ring an dem versteinerten Tropfen hängen blieb.
Der Bernstein war dort mit Sicherheit schon seit vielen tausend Jahren. Wie er dort hingekommen war, war mir ein Rätsel.
Rätsel mag ich sehr.
Also wollte ich es lüften.
Vorsichtig entfernte ich den Tropfen. Braun-golden schimmerte er in meiner Hand.
Gleich früh am nächsten Morgen nahm ich ihn mit auf meine Arbeit.
Ich legte ihn unter mein Mikroskop.
Oft las und hörte man von Einschlüssen.
Das heisst, dass Tierchen in den flüssigen Hart gefangen waren, darin umkamen und mit dem Harz versteinerten.
Ich sah nichts,... oder doch, da war etwas.
In dem golden-braunen Tropfen war etwas, das bläulich durchschimmerte.
Der Stein war zu schade, um ihn einfach aufzubrechen, aber meine Neugierde war gross.
Vorsichtig machte ich mich mit dem entsprechenden Werkzeug daran den Bernstein zu öffnen.
Es dauerte fast eine Stunde bis ich das kleine Blaue etwas herausgearbeitet hatte. Zum Glück, hatte mein Chef diese Woche Urlaub genommen und ausser mir war niemand heute im Labor.
Das kleine Blaue etwas hatte die Form eines Eies.
Ich untersuchte es genau, aber es schien mehr das Ei eines Insektes zu sein. Das merkwürdige war, das es weich war. Das bemerkte ich gleich, als ich es mit der Pinzette berührte.
Wie konnte das sein, über all die Jahre war es noch immer weich.
Ich nahm einen flachen Glas Zylinder und legte das winzige Ei hinein. Es war kaum größer als der Punkt einer Computertastatur.
Ich verschloss den Behälter und steckte ihn in meine Tasche, packte ein Mikroskop ein und nahm es mit über das verlängerte Wochenende.
Immerhin war Ostern.
Ich habe nur eine kleine Familie, aber mein Neffe hatte sich angekündigt.
Er wollte Berlin sehen und vor allem mit dem Mikroskop forschen.
Mathias ist zehn Jahre alt und seine Eltern dachten, er könnte schon alleine mit dem Zug zwei Stunden fahren. So musste ich pünktlich am Bahnhof sein, denn er kam ja alleine.
Ich wartete zwei Stunden später am Gleis fünf.
Die schweren Türen des ICEs öffneten sich mit einem sanften "Schmatz" und mein kleiner Neffe sprang mir entgegen.
Ob Zufall oder Glück oder ob er mich von innen schon gesehen hatte, wie auch immer er es gemacht hatte, dass er mir direkt in die Arme sprang, als sich die Türen öffneten.
Es würde ein Geheimnis bleiben, denn Matthias hatte Hunger und keine Zeit für Fragen.
"Hallo Stefan", rief er. "Ich habe dich schon lange nicht mehr gesehen und ich habe Hunger!"
"Na da müssen wir gleich was dagegen tun."
Zusammen gingen wir essen und schlenderten durch einige Geschäfte, bis Matthias mit einem Mal rief :"Was machen wir denn an Ostern? Hast du schon Eier gefärbt?"
"Eier färben?" Ich hatte einen Schokoladenhasen für ihn gekauft, aber an die Eier hatte ich nicht gedacht.
Also kauften wir noch welche sowie Farbe. Mit unserem Einkauf gingen wir nach Hause und bereiteten alles vor.
Eine Stunde später waren wir fertig und Matthias und ich schliefen auf dem Sofa bei einem lustigen Film ein.
Am nächsten Morgen wechselten wir unsere Kleidung nach einer Dusche.
Ich nahm den Glaszylinder aus der alten Hose und steckte ihn in meine jetzige.
Dann holte ich die Eier und versteckte sie in der Wohnung.
"Wann kann ich suchen? Wann, wann, wann???"
Mathias sprang aufgeregt von einem Bein auf das andere.
"Jetzt!" ,rief ich und lachte.
Es hatte länger gedauert die Eier zu verstecken, als Matthias brauchte um sie zu finden.
Ich packte mein Mikroskop aus und legte den flachen Zylinder darunter.
"Matthias, ein Ei hab ich noch woanders versteckt. Mal sehen, ob du das auch findest."
"Das war zu offensichtlich." beschwerte er sich.
Dennoch schob er seinen Kopf über die Linse und sah x-fach vergrössert auf das kleine wunderschöne Ei.
"Ui!" rief er. "Was ist denn da drinnen?"
"Ich weiss es nicht." gab ich zu.
"Können wir es zum Schlüpfen bringen?"
Ich lachte. " Das ist schon sooo alt. Da schlüpft gar nichts mehr."
Matthias senkte den Kopf.
Somit war das Ei als uninteressant erklärt und er machte sich an den Schokoladenhasen.
Nachmittags gingen wir in den Berliner Zoo.
Das war eine ganz tolle Idee.
Ausser uns waren nur noch eine Millionen auf diese Idee gekommen und der Zoo quoll über vor Menschen.
Wir brachen den Ausflug ab und fuhren zurück mit der Strassenbahn, als plötzlich,....
"Aua!" Rief ich.
"Was hast du denn Stefan?" Matthias blickte mich verwundert an.
"Ich weiss auch nicht. Es ist, als hätte ich mich gerade verbrannt."
"Wo denn?"
"Ich glaube es kommt aus der Hose."
"Ha, ha, ha." Er lachte. "Hast du gepupst oder was?"
"Au!"
Da war es schon wieder. Ich fasste in meine Tasche und stellte verwundert fest, dass der Glaszylinder heiss war.
Er war zu heiss um ihn aus der Tasche zu nehmen , aber gerade noch erträglich ihn in der Hose zu behalten. So zog ich die Hosentasche etwas weg von meinem Körper und wir liefen, kaum dass wir im Zoo angekommen waren, schon wieder mit schnellen Schritten nach Hause.
Dort angekommen, zog ich die Hose aus und holte einen Handschuh.
Dann zog ich den Zylinder aus der Tasche.
Ich sah ihn mir ohne Mikroskop an.
Matthias ebenso.
Mit einem Mal sahen wir einen Feuerstrahl.
"Was war denn das???" Er fuhr erschrocken zurück.
"Ich weiss es auch nicht, gab ich verwirrt zu."
Ich legte es unter das Mikroskop.
"Matthias,... Matthias? Das musst du dir ansehen. Du musst mir sagen, ob ich spinne."
"Das kann ich dir auch ohne da reinzusehen sagen." Er lächelte, doch dann wurde er ernst und sah hinein.
"Wow,.. Das gibt es doch gar nicht. Das Ei ist aufgebrochen und da ist ein.. ein.. ein, ein DRACHE!"